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Autor: Hermann Lorenz, Regie: Leslie Franke und Herdolor Lorenz
Teil 1: "Erste Schuljahre", 90 Min. ARTE, 17.5.2012, 23h30
Teil 2: "Die Jugendjahre", 93 Min. ARTE, 24.5.2012, 23h35
Koproduktion der Kernfilm mit dem NDR in Zusammenarbeit mit ARTE.
Der erste Teil gefördert von der Hamburger Filmförderung und dem Kuratorium junger deutscher Film
- „Eine einzigartige Langzeitbeobachtung - schon jetzt ein Kultfilm", Hamburger Wochenblatt
- „Für die Zuschauer lohnt sich die Reise durch diese facettenreiche
Kinderwelt. In der heutigen Medienlandschaft, in der schnelle Ergebnisse
und Lesarten gefragt sind, steht dieses Langzeitprojekt wie ein
Solitär", Filmbewertungsstelle Wiesbaden
- „Die Rasselbande wächst einem direkt ins Herz", Westdeutsche Allgemeine
- „Eine anrührende und durchaus auch lustige Geschichte", Le Monde
- „Die Darstellung der Welt aus Kinderaugen ist ein Wagnis, doch wer sich darauf einzulassen vermag, wird Gefallen finden." Hamburger Abendblatt
Filme über Kinder gibt es viele. Langzeitbeobachtungen zu ihrem
Heranwachsen einige wenige. Ein Film, in dem die Kinder selbst ihre Welt
und deren Veränderung über die 12 Jahre ihrer Schulzeit beschreiben,
bisher noch nicht, jetzt aber erstmals mit „Kinder von St. Georg"!
Herbst 1999, an der Schwelle zum neuen Jahrtausend. Tamim, Freya,
Klara, Mitchel und Nevena kommen in die Schule - im Hamburger
Bahnhofviertel St. Georg. Sechzehn verschiedene Nationen in ihrer Klasse
erstaunen den Zuschauer. Die Kinder aber nicht. Für sie ist das
selbstverständlich. Sie kennen nichts anderes. Auch Junkies sind ihnen
geläufig, aber das ist nicht wirklich ihre Welt. Diejenige, in die sie
uns führen, mag manchen banal und kindlich erscheinen. Wer sich jedoch
einzulassen vermag, erlebt Dramen voller Spannung, Höhen und Tiefen.
Tamim findet es "doof", immer der Beste zu sein und leidet, wenn er
von Mitchel und anderen Jungs nicht anerkannt wird. Freya will stets nur
zu ihrem Vater ziehen - aufs Land. In St. Georg bei ihrer Mutter sucht
und findet sie gern auch mal Streit. Ihre Freundin ist Klara, doch die
spielt jetzt nur noch mit Nevena. Und wie ihre neue Freundin möchte
Klara nun unbedingt katholisch werden, "wenn es auch blöd ist, dass man
dann jeden Sonntag in die Kirche muss". Nevena ist ein Flüchtlingskind
und mit ihrem Strahlen die Sonne der von Abschiebung bedrohten Familie.
Auch in der Schule ist sie beliebt und übernimmt gern die Führung.
Mitchel spielt am liebsten Pokémon, will stets ein "richtiger Junge"
sein und sieht in Gott ein Monster. Doch dann wird er gläubig.
Im ersten Teil der "Kinder von St. Georg", den ersten Schuljahren,
erleben wir das Abenteuer, wie aus Erstklässler über die Jahre hinweg
Jugendliche werden, sich Meinungen und Werte ausbilden, Unbefangenheit
verloren geht und Kräfte wachsen. Konflikte und Schicksalsschläge
bleiben ihnen nicht erspart. Es ist der Horizont der Kinder, der hautnah
durch den Film führt. So entsteht eine einmalige Zeitreise, die am Ende
des ersten Teils der Doku mit der bangen Frage endet, wie geht es
weiter nach der Grundschule, was wird aus diesen Kindern, die vielen
Zuschauern schon ans Herz gewachsen sind ?
Im Jahr 2006 beginnt der zweite Teil der Kinder von St. Georg, DIE
JUGENDJAHRE. Tamim, Freya, Klara, Nevena und Mitchel sind dreizehn Jahre
alt und mitten in der Pubertät.
Tamim sieht in einer Krise am Ende keine andere Lösung, als sich
umzubenennen, in "Felix" - der Name ist ein Programm! Mit 15-16 hat er
tatsächlich sein Glück gemacht. Als geübter Fetengänger schart sich ein
ganzer Fanclub von Mädchen um ihn. Doch etwas anderes ist ihm noch
wichtiger: Die weite Welt sehen. Neuseeland ist da gerade weit genug
weg. Er setzt bei seiner Mutter ein Auslandsjahr auf der anderen Seite
der Erde durch. Um das zu finanzieren, vermietet sie für das Jahr einen
Teil der Wohnung. Mitchel hat mit seinem Gymnasium außerhalb des
Stadtteils Pech. Viele Mitschüler sind weitaus älter als er. So wird er
früh mit Alkohol und anderen Drogen konfrontiert. Dies stößt ihn ab, er
raucht und trinkt nicht und hasst die Schule. Bald schwänzt er oft, und
wenn er doch hingeht, stört er den Unterricht ungeliebter Lehrer. Dass
er dabei mit den Noten abstürzt, betrübt ihn dann doch. Aber er hat eine
Erklärung dafür. Von der kindlichen Welt der Pokémon ist er in die
"World of Warcraft (WOW)" geglitten. Er spielt das Internetspiel Stunden
und Tage und hat immer Erfolgserlebnisse. Das Erstaunliche dabei:
Mitchel analysiert das Spiel als das Verhängnisvolle, was es ist. Als
die Eltern eingreifen und ein WOW-Spielverbot verhängen, hört er zwar
tatsächlich auf zu spielen. Damit glaubt er sich auch geheilt und ist
empört, als er eine Therapie beginnen soll. Er könne aus eigenen Kräfte
immer aufhören, sagt er überzeugt. Und der Zuschauer will ihm
glauben.... Klara hört auf zu tanzen, und dann auch mit dem
Klavierspielen. Obwohl in beidem begabt und ungewöhnlich gut, ist ihr
nur eines noch wichtig: mehr Zeit für ihre Freundinnen, fürs Cafe und
"Wellnessabende". Nun ist sie auch wieder mit Freya befreundet, möchte
aber auch Nevena nicht verlieren - ein Drahtseilakt, der viel Zeit und
Energie kostet. Freya will von dem in der Grundschulzeit so sehnsüchtig
verfolgten Wunsch, zum Vater aufs Land zu ziehen, nun nichts mehr
wissen. Das bunte Hamburg-St. Georg ist jetzt anziehender. Mit ihrer
Mutter versteht sie sich jetzt besser. Als einzige der fünf Kinder immer
noch gänzlich ungläubig, entscheidet sie sich für die atheistische
Jugendweihe und schafft es dabei ihre zerstrittene Familie samt Vater
bei der Feier in St. Georg zu vereinen. Nevena hat mit ihrer Familie
inzwischen die Aufenthaltsberechtigung in Deutschland. Als einzige der
fünf scheint sie die Pubertät ohne erkennbare Probleme zu bewältigen.
Sie ist Klassensprecherin und ob ihrer Autorität in der Schule wird sie
sogar als Schulsprecherin vorgeschlagen. So ist sie auch die einzige,
die es jetzt garnicht weg von zuhause treibt. Zunächst Felix, dann
Klara, Freya und schließlich auch Mitchel machen ab 16, 17 Erfahrungen
im Ausland und kommen gestärkt zurück in die Heimat.
Ihr Viertel hat sich mittlerweile stark verändert, ist gentrifiziert
worden, wie Nevi erklärt. Jetzt haben die Reichen und Schönen das
einstige "Schand"-Viertel erobert. Die Junkies und Prostituierten haben
die Kinder von St Georg in ihrer Kindheit nie gestört. Direkt neben
ihrem Babyhaus war damals ein Puff. Dabei habe man nie etwas
Beängstigendes erlebt, sagt Klara. Doch es stört sie gewaltig, wenn
heute eine Häuserzeile nach der anderen von der Vielfalt von Geschäften
und Menschen "gereinigt" wird. Alle fünf sind stolz, in St. Georg
aufgewachsen zu sein.
Doch erst in Barcelona, während seines Zivildienstes, merkt Mitchel,
komplett auf sich allein gestellt, manch herben Krisen ausgesetzt, dass
er sich auf sich verlassen kann, dass er das todernste Spiel im Internet
nicht mehr braucht. Bei seiner Arbeit im Kindergarten lernt er Kinder
über alles lieben. Mittlerweile will er sogar Grundschullehrer werden.
Alle fünf Kinder finden im Film ihren Weg durch die Pubertät zu
jungen, aufrechten Erwachsenen. Dieser Weg, beschrieben aus der
Perspektive der Heranwachsenden - ein mitreissendes Zeitdokument!
"Kinder von St. Georg" - die einzigartige Zeitreise!
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