Interviews
Wie kamen Sie zu dem Filmprojekt „Wasser unterm Hammer"?

Süßwasser ist ein machtpolitisches, hochexplosives Thema. Klar wurde uns das bei den Filmarbeiten zu unserem ersten Wasserfilm „Das blaue Gold im Garten Eden" . Wenn ein Staat einem anderen Staat damit drohen kann, ihm das Wasser zu reduzieren, um politische Zugeständnisse zu erpressen, dann stimmt da was nicht.

Wenn ein Staatspräsident behauptet, es gäbe keinen Unterschied zwischen Wasser und Ölressourcen - die einen dürfte man genauso ausbeuten und verkaufen, wie die anderen auch - dann ist da was faul.

Wenn eine Wasserbehörde mit freigiebiger Geste zu seinen wasserarmen Nachbarn sagt _ „Jeder, der Wasser braucht, kann es bei uns kaufen ..."- dann steckt da der Wurm drin.
Denn Wasser darf weder Waffe noch Ware sein. Stattdessen muss weltweit Trinkwasser als verbrieftes Menschenrecht anerkannt werden.

Durch diese Erfahrung waren wir hellhörig, als in unserer Heimatstadt Hamburg Pläne bekannt wurden, die Wasserversorgung zu privatisieren. Es formierte sich eine breite Bewegung aus unterschiedlichsten Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen, die gegen diese Pläne ein Volksbegehren initiierten . Nichts schien uns in dieser Situation naheliegender als in einer Dokumentation zu zeigen, welche Erfahrungen es in vergleichbaren Städten in Europa gibt, deren Wasserversorgung schon privatisiert ist.

Wie ist es Ihnen gelungen, an so aufschlussreiche Einblicke in die Betriebe von RWE Thames Water in England und den teilprivatisierten Berliner Wasserbetrieben zu gelangen ?

Mit Geduld und Ausdauer. Private Wasserbetriebe sind es gewohnt Journalisten und Menschen wie uns mit fertigen PR-Videos und Pressematerialien abzuspeisen. Ein unabhängiger Zugang zu ihren Betrieben ist jenseits aller denkbaren Horizonte. Damit haben wir uns nicht begnügt und nach und nach einige Manager überzeugen können, uns zumindest das zu zeigen, worauf sie stolz sind: Die Erhöhung der Effektivität, die Einsparung von Arbeitskräften, die Reduktion des benötigten Landes, und einiges mehr , was dazu dient, die Gewinne von RWE und anderen auf ein überdurchschnittliches Maß zu erhöhen.

Das dieser Blickwinkel aus Sicht der Konzernetagen nicht immer identisch ist mit den Interessen der Wasserkunden und derer, die an der Erhaltung einer gesunden, preisgerechten Wasserversorgung interessiert sind, zeigten dann ganz selbstverständlich z.B.ergänzende Informationen von Wasserkunden ohne laufendes Leitungswasser, von Umweltschützern, verantwortungsbewussten Betriebsleitern und PolitikerInnen, Vertretern reduzierter Belegschaften bis hin zu engagierten Attacies. Den wir hiermit noch einmal herzlich danken wollen.



Wie war es möglich einen solchen Film zu finanzieren?

Wir waren selbst sehr skeptisch, ob es uns gelingen würde, in den Öffentlich Rechtlichen Sendeanstalten eine Redaktion zu finden, die ein derartig kritisches Projekt unterstützt. Nach einem Dreiviertel Jahr hin und her konnte sich dann ein wagemutiger Redakteur kurz vor der Pensionierung damit durchsetzen, unser Projekt mitzutragen. Es fand sich dann auch ohne große Probleme die Schleswig-Holsteinische Filmförderung bereit, die andere Hälfte der Finanzen beizusteuern.

Das dies seitens des Redakteurs wahrhaftig mutig und ungewöhnlich war, zeigten die Ereignisse nach der Fertigstellung des Filmes. Siehe dazu link:www.unser-wasser-hamburg.de. Auch ihm möchten wir an dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN zurufen.

 

Glauben Sie mit ihrem Film etwas erreicht zu haben ?

„Wasser unterm Hammer" wurde im NDR nur ein einziges Mal ausgestrahlt, dafür in Phoenix 5 Mal. Aber besonders freuen wir uns, dass der Film „lebt" und „arbeitet", d.h. viele Einzelpersonen, Initiativen und Institutionen haben nicht nur eine DVD erworben, sondern setzen ihn permanent in Veranstaltungen ein, wo über Privatisierungen diskutiert wird. Belegschaften von Wasser- oder Stadtwerken sehen hier vielfach wie ihre Befürchtungen - Arbeitsplatzabbau, Investitionsrückgang, Schwächung des heimischen Gewebes, Qualitätsverschlechterung, Preiserhöhungen - auch für sie Realität werden können. Außerdem ist am Beispiel der Wasserprivatisierung sehr gut abzulesen, was sich genauso in anderen Bereichen wie Gesundheitsvorsorge, Bildung , Bahn, Wohnen etc. vollziehen wird. Natürlich sind Privatunternehmen Gewinn orientiert. Aber es sollte klar sein, dass diese Bereiche der Daseinsvorsorge in die Hände der Kommunen gehören. Sie bilden die Lebensbasis einer Gemeinschaft, die nicht Gewinninteressen einiger weniger ausgeliefert sein dürfen.

Das Interview wurde geführt von O. Frings mit den Autoren Leslie Franke und Hermann Lorenz.